Hallo Teneristi,
ich hatte gerade eine Diskussion über leichte Helme und neue 22.06 zertifizierte Helme. Ich war fest der Meinung, dass schwerere Helme niemals besser sein können, da sich das Moment auf den Hals bei einem Unfall und Impuls massiv erhöht. Anscheinend ist aber die Dämpfungseigenschaft des Helm wichtiger.
Danach habe ich nochmal die KI nach wissenschaftlichen Untersuchungen recherchieren lassen:
Die belastbare Forschung vergleicht tatsächlich selten gezielt leichte gegen schwere Helme bei identischer Schutzklasse. Genau dort ist die Datenlage dünn.
Die harten Fakten aus der Unfallforschung und Biomechanik:
* Mehr Helmmasse erzeugt bei gleicher Verzögerung höhere Trägheitskräfte und höhere Drehmomente auf die Halswirbelsäule.
* Gleichzeitig reduzieren schwerere Helme oft die Kopf-Beschleunigung besser, weil sie mehr Material/Dämpfung besitzen.
* Die Forschung hat bislang keinen Schwellenwert gefunden, ab dem höheres Helmgewicht nachweisbar mehr HWS-Verletzungen verursacht.
Was biomechanisch gesichert ist
Die Belastung steigt linear mit der Masse:
Helmgewicht Zunahme gegenüber 1200 g Theoretische Massenträgheit
1200 g — 100 %
1300 g +100 g 108 %
1400 g +200 g 117 %
1500 g +300 g 125 %
1600 g +400 g 133 %
1700 g +500 g 142 %
1800 g +600 g 150 %
1900 g +700 g 158 %
Das ist reine Mechanik (F = m × a bzw. Drehmoment = Trägheit × Winkelbeschleunigung).
Bei identischem Crash erzeugt ein 1900-g-Helm daher etwa 58 % höhere Trägheitslast als ein 1200-g-Helm.
Was die Studien wirklich zeigen
1. Schwerpunkt und Masse sind entscheidend
Eine aktuelle biomechanische OpenSim-Studie zeigte:
* höheres Helmgewicht verändert die Halskinematik messbar,
* der Schwerpunkt (Center of Mass) ist fast genauso wichtig wie die reine Masse,
* ein leichter Helm mit ungünstigem Schwerpunkt kann höhere Halsmomente erzeugen als ein schwererer, kompakter Helm.
2. Es gibt keine Evidenz, dass schwere Vollhelme mehr HWS-Verletzungen verursachen
Die Taiwan-Studie verglich verschiedene Helmtypen:
* Vollhelme waren schwerer,
* zeigten aber keine erhöhte Rate cervicaler Verletzungen.
3. ECE-22.06 führt tendenziell zu schwereren Helmen
In Fachforen und Herstellerdiskussionen wird bestätigt:
* mehrlagige EPS-Strukturen,
* Rotationsschutz,
* größere Schalen
führen häufig zu +100 bis +300 g Mehrgewicht.
Was NICHT bewiesen ist
Nicht bewiesen:
* dass ein 1800–1900-g-Helm den Spinalkanal häufiger verletzt,
* dass leichtere Helme insgesamt sicherer wären,
* dass höhere Helmmasse den besseren Aufprallschutz aufwiegt.
Der derzeitige wissenschaftliche Stand
Die Forschung bewertet aktuell:
* Reduktion der Kopfverletzung = wichtiger,
* zusätzlicher Halslast-Effekt durch Mehrgewicht = vorhanden, aber bislang klinisch nicht dominant nachgewiesen.
Deshalb akzeptiert die Industrie aktuell höhere Gewichte zugunsten besserer Energieabsorption.
Direkte Quellen
* Taiwan Helmtyp-Studie:
PubMed – Helmet type and cervical spine injury�
* OpenSim Biomechanik Helmmasse/Schwerpunkt:
ScienceDirect – Firefighter helmet cervical kinematics study�
* Koreanische HWS-Studie:
ScienceDirect – Protective effect on cervical injury�
* Diskussion ECE-22.06 und höheres Gewicht:
Reddit – ECE 22.06 helmet weight discussion�
Danach habe ich mal nach Rotations Techniken/Systemen von Adventurehelmen gesucht:
Hersteller Modell (Adventure/Dual Sport) Rotationsschutz Gewicht ca. Bemerkung
Arai Tour-X5 kein separates MIPS, aber ECE-22.06 Rotationsmanagement ~1650 g sehr runde Schale (,,glancing off")
Airoh Commander 2 ASN (Airoh Sliding Net) ~1450 g internes Gleitsystem ähnlich MIPS
Schuberth E2 kein MIPS ~1820 g Fokus Touring/Modular
Scorpion ADX-2 / ADX-2 Carbon kein echtes Rotationssystem ~1700 g / ~1450 g nur ECE-22.06
LS2 MX701 Explorer Carbon kein MIPS ~1380 g sehr leicht durch Carbon
AGV AX9 Carbon kein separates Rotationssystem ~1440 g sehr geringe Massenträgheit
Bell Helmets MX-9 Adventure MIPS echtes MIPS ~1600 g einer der wenigen echten ADV-MIPS
KLIM Krios Pro Koroyd + Slip Layer ~1500 g sehr niedrige Rotationswerte
Shoei VFX-WR MEDS ~1450 g proprietäres System
Leatt 9.5 Carbon Turbine 360° ~1290 g extrem leicht
6D Helmets ATR-2 ODS ~1480 g Fokus Rotationsenergie
Wichtige Erkenntnis aus deiner Fragestellung:
* Die meisten Adventurehelme verzichten weiterhin auf echtes MIPS.
* Stattdessen setzen Hersteller auf:
* leichtere Carbon-Schalen,
* EPS mit mehreren Dichten,
* optimierte Schalenform zur Reduktion von Rotationsimpulsen.
Der Markttrend ist aktuell:
* Premiumschutz + möglichst niedriges Gewicht.
* Besonders auffällig: Carbon-Adventurehelme zwischen 1350–1550 g gelten derzeit als ,,Sweet Spot".
Interessant für deine Halsbelastungs-Frage:
* Schwerste Adventurehelme sind meist Klapp-/Touring-ADV-Helme (~1800–1900 g).
* Die technisch modernsten Offroad-ADV-Helme liegen oft deutlich darunter (~1350–1550 g).
Quellen:
* Arai Tour‑X5�
* Airoh Commander 2 ASN�
* Schuberth E2�
* Scorpion ADX‑2�
* LS2 MX701 Explorer Carbon�
* AGV AX9 Carbon�
* Klim Krios Pro�
Krass ist, das Schuberth kein MIPS oder ähnliches anbietet. Arai auch nicht, aber deshalb ist der Helm so rund, damit es sich drehen kann.
Auf jeden Fall suche ich jetzt nach einem mittelschweren, leisen Helm, der aber auf jeden Fall rotatorische Momente abfängt (MIPS,....)
Zitat von: Gersty am Heute um 11:57:12Hallo Teneristi,
ich hatte gerade eine Diskussion über leichte Helme und neue 22.06 zertifizierte Helme. Ich war fest der Meinung, dass schwerere Helme niemals besser sein können, da sich das Moment auf den Hals bei einem Unfall und Impuls massiv erhöht. Anscheinend ist aber die Dämpfungseigenschaft des Helm wichtiger.
Danach habe ich nochmal die KI nach wissenschaftlichen Untersuchungen recherchieren lassen:
Die belastbare Forschung vergleicht tatsächlich selten gezielt leichte gegen schwere Helme bei identischer Schutzklasse. Genau dort ist die Datenlage dünn.
Die harten Fakten aus der Unfallforschung und Biomechanik:
* Mehr Helmmasse erzeugt bei gleicher Verzögerung höhere Trägheitskräfte und höhere Drehmomente auf die Halswirbelsäule.
* Gleichzeitig reduzieren schwerere Helme oft die Kopf-Beschleunigung besser, weil sie mehr Material/Dämpfung besitzen.
* Die Forschung hat bislang keinen Schwellenwert gefunden, ab dem höheres Helmgewicht nachweisbar mehr HWS-Verletzungen verursacht.
Was biomechanisch gesichert ist
Die Belastung steigt linear mit der Masse:
Helmgewicht Zunahme gegenüber 1200 g Theoretische Massenträgheit
1200 g — 100 %
1300 g +100 g 108 %
1400 g +200 g 117 %
1500 g +300 g 125 %
1600 g +400 g 133 %
1700 g +500 g 142 %
1800 g +600 g 150 %
1900 g +700 g 158 %
Das ist reine Mechanik (F = m × a bzw. Drehmoment = Trägheit × Winkelbeschleunigung).
Bei identischem Crash erzeugt ein 1900-g-Helm daher etwa 58 % höhere Trägheitslast als ein 1200-g-Helm.
Was die Studien wirklich zeigen
1. Schwerpunkt und Masse sind entscheidend
Eine aktuelle biomechanische OpenSim-Studie zeigte:
* höheres Helmgewicht verändert die Halskinematik messbar,
* der Schwerpunkt (Center of Mass) ist fast genauso wichtig wie die reine Masse,
* ein leichter Helm mit ungünstigem Schwerpunkt kann höhere Halsmomente erzeugen als ein schwererer, kompakter Helm.
2. Es gibt keine Evidenz, dass schwere Vollhelme mehr HWS-Verletzungen verursachen
Die Taiwan-Studie verglich verschiedene Helmtypen:
* Vollhelme waren schwerer,
* zeigten aber keine erhöhte Rate cervicaler Verletzungen.
3. ECE-22.06 führt tendenziell zu schwereren Helmen
In Fachforen und Herstellerdiskussionen wird bestätigt:
* mehrlagige EPS-Strukturen,
* Rotationsschutz,
* größere Schalen
führen häufig zu +100 bis +300 g Mehrgewicht.
Was NICHT bewiesen ist
Nicht bewiesen:
* dass ein 1800–1900-g-Helm den Spinalkanal häufiger verletzt,
* dass leichtere Helme insgesamt sicherer wären,
* dass höhere Helmmasse den besseren Aufprallschutz aufwiegt.
Der derzeitige wissenschaftliche Stand
Die Forschung bewertet aktuell:
* Reduktion der Kopfverletzung = wichtiger,
* zusätzlicher Halslast-Effekt durch Mehrgewicht = vorhanden, aber bislang klinisch nicht dominant nachgewiesen.
Deshalb akzeptiert die Industrie aktuell höhere Gewichte zugunsten besserer Energieabsorption.
Direkte Quellen
* Taiwan Helmtyp-Studie:
PubMed – Helmet type and cervical spine injury�
* OpenSim Biomechanik Helmmasse/Schwerpunkt:
ScienceDirect – Firefighter helmet cervical kinematics study�
* Koreanische HWS-Studie:
ScienceDirect – Protective effect on cervical injury�
* Diskussion ECE-22.06 und höheres Gewicht:
Reddit – ECE 22.06 helmet weight discussion�
Danach habe ich mal nach Rotations Techniken/Systemen von Adventurehelmen gesucht:
Hersteller Modell (Adventure/Dual Sport) Rotationsschutz Gewicht ca. Bemerkung
Arai Tour-X5 kein separates MIPS, aber ECE-22.06 Rotationsmanagement ~1650 g sehr runde Schale (,,glancing off")
Airoh Commander 2 ASN (Airoh Sliding Net) ~1450 g internes Gleitsystem ähnlich MIPS
Schuberth E2 kein MIPS ~1820 g Fokus Touring/Modular
Scorpion ADX-2 / ADX-2 Carbon kein echtes Rotationssystem ~1700 g / ~1450 g nur ECE-22.06
LS2 MX701 Explorer Carbon kein MIPS ~1380 g sehr leicht durch Carbon
AGV AX9 Carbon kein separates Rotationssystem ~1440 g sehr geringe Massenträgheit
Bell Helmets MX-9 Adventure MIPS echtes MIPS ~1600 g einer der wenigen echten ADV-MIPS
KLIM Krios Pro Koroyd + Slip Layer ~1500 g sehr niedrige Rotationswerte
Shoei VFX-WR MEDS ~1450 g proprietäres System
Leatt 9.5 Carbon Turbine 360° ~1290 g extrem leicht
6D Helmets ATR-2 ODS ~1480 g Fokus Rotationsenergie
Wichtige Erkenntnis aus deiner Fragestellung:
* Die meisten Adventurehelme verzichten weiterhin auf echtes MIPS.
* Stattdessen setzen Hersteller auf:
* leichtere Carbon-Schalen,
* EPS mit mehreren Dichten,
* optimierte Schalenform zur Reduktion von Rotationsimpulsen.
Der Markttrend ist aktuell:
* Premiumschutz + möglichst niedriges Gewicht.
* Besonders auffällig: Carbon-Adventurehelme zwischen 1350–1550 g gelten derzeit als ,,Sweet Spot".
Interessant für deine Halsbelastungs-Frage:
* Schwerste Adventurehelme sind meist Klapp-/Touring-ADV-Helme (~1800–1900 g).
* Die technisch modernsten Offroad-ADV-Helme liegen oft deutlich darunter (~1350–1550 g).
Quellen:
* Arai Tour‑X5�
* Airoh Commander 2 ASN�
* Schuberth E2�
* Scorpion ADX‑2�
* LS2 MX701 Explorer Carbon�
* AGV AX9 Carbon�
* Klim Krios Pro�
Krass ist, das Schuberth kein MIPS oder ähnliches anbietet. Arai auch nicht, aber deshalb ist der Helm so rund, damit es sich drehen kann.
Auf jeden Fall suche ich jetzt nach einem mittelschweren, leisen Helm, der aber auf jeden Fall rotatorische Momente abfängt (MIPS,....)
Spannenderweise führen die Kompromisse zu einem Klim Krios. Der hat aber soweit ich gehört habe viele Qualitätsthemen und ist laut.
(https://uploads.tapatalk-cdn.com/20260526/40fbb8ea9524c298999c809815ee1202.png)
Soweit die Zusammenfassung ohne Gewährleistung. Das ist Ki- recherchiert und war nur für mich zur Unterstützung.
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Und immer schön zitieren.
Mit ~1820 g wird dann der Schuberth E2 ohne MIPS zum Tötungsinstrument :D
Hallo
ich habe mir extra nochmal den Nishua Enduro Carbon (ohne Evo) geholt, 1050 +- 50g. Wer mal so einen leichten Helm hatte, mag die Schweren (mein vorheriger hatte so 1350g) nicht mehr haben, zumal der Nishua auch noch recht leise ist für einen Endurohelm. Der war auch von den Testwerten bei Motorrad zweimal ziemlich gut.
Gruß
Christoph
Hi Christoph,
ich hatte den Nishua auch und war 3 Jahre zufrieden. Dann konnte mir Louis kein dichtes Ersatzvisier anbieten. Da gibt's verschiedene Größen oder Toleranzen. Und das Knöpfchen zum zum festmachen der Helm-Schlaufe ist verschwunden. Da gab's auch keine Abhilfe.
Hallo
das mit dem Knöpfchen hatte ich auch bei meinem ersten Nishua, der wurde eingeschickt und ich bekam einen Neuen. da ist es auch wieder kaputtgegangen und seitdem stecke ich das ende einfach zwischen Kinnriemen und Hals. Mit Visieren hatte ich keine Probleme die haben Plug and Play gepasst.
Habe meinen ersten so 60 bis 70000km täglich gefahren und mir dann noch mal einen neuen E5 geholt.
Gruß
Christoph