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Scottoiler auf das Ritzel

Begonnen von IngoBingo, 29. Juli 2023, 21:05:45

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Frankos

Die Schmierung auf das Ritzel ist die beste Lösung. Ich kann Euch nur aus eigener Erfahrung berichten, habe vor ca. 15 Jahren eine Mccoi verbaut und die Schmierung mit einer Doppeldüse unter die Kette angebracht. Die Tropfen die dann da rauskommen werden durch die Geschwindigkeit der Kette, in einer Sogwirkung hochgezogen und somit auf der Kette verteilt.
Die Schmierung war perfekt, musste nur ab und zu die Kette reinigen, sonst war sie Wartungsfrei.
Leider habe ich keien Fotos mehr, bin aber gerade am Aufbau einer XTZ 750. Da werde ich es wieder genauso machen und berichten.
My Bikes: Moto Guzzi V65 Cafe Racer, BMW K1300S, Suzuki GSX-R1000 K6, Yamaha XTZ 750 Super Tenere
Vergangene Bikes: Suzuki Katana 750, Honda CBF 1000 SC58, Buell 1125 R, KTM 990 SMT, Suzuki SV 1000 S

Hobbit

Moin,

ich bin beim Stöbern auf den alten Beitrag hier gestoßen und krame ihn wieder aus.

Damit jeder weiß wer hier schreibt. Ich heiße Heiko Höbelt und bin der Chef von CLS. Wir bauen elektronisches Motorradzubehör. Das sind drei Produktgruppen, Kettenöler, Heizgriffsysteme und Anschlussmodule für Zubehör mit Kabel.

Zur Düsenposition am Ritzel. Jeder Hersteller rät davon ab, wir auch.

Um zu verstehen warum, erklär ich erst mal wie ein Öler wirkt und was er eigentlich schmiert, das beinhaltet auch die Funktionsweise einer Rollenkette und das wissen erstaunlich viele Motorradfahrer nicht. Den folgenden Text habe ich vor ein paar Jahren mal geschrieben.

Eines der am wenigsten technisch verstandenen und am schlechtesten gepflegten Teile am Motorrad ist die Antriebskette.
Um zu wissen warum und wie eine Kette gepflegt werden sollte, muss man wissen was genau sie macht und wie sie funktioniert.


Eine Motorradkette ist vielschichtig aufgebaut. Der Kettenbolzen bildet den Kern der Kette. Auf dem Bolzen sitzt die nächste Schicht, die Kettenhülse. Zwischen Hülse und Bolzen ist eine Fettfüllung eingearbeitet, die nach außen durch die Dichtringe (O, X, Z...) abgedichtet wird.

Dadurch ist das innere Gelenk der Kette auf Dauer geschmiert.
Auf der Hülse läuft aber noch die Kettenrolle, zur Seite hin bilden die Kettenlaschen den Abschluss. Da dichtet keine Dichtung etwas ab, die Fläche zwischen Rolle und der darunter liegenden Hülse muss geschmiert werden, sonst droht erhöhter Verschleiß.

Wie funktioniert eine Motorradkette?

Die Rolle bleibt, wenn die Kette ins Zahnrad läuft, im Zahnradtal stehen, sie dreht sich also praktisch gar nicht beim Umlenken der Kette im Zahnrad. Die Hülse ist es, die sich bewegt. Sie bewegt sich minimal um den Nietbolzen und in der Rolle. Durch die extrem hohe Umlaufgeschwindigkeit der Kette sind die Hülsen eigentlich permanent in Bewegung, sobald das Motorrad fährt.
Durch die Reibung zwischen den Hülsen und den Rollen entsteht Wärme. Wenn die Reibung durch mangelnde Schmierung groß genug ist, führt es dazu, dass die Fettfüllung zwischen der Hülse und dem Bolzen sich ausdehnt und sogar flüssig wird. Irgendwann können auch die besten Dichtringe die Füllung nicht daran hindern, nach außen zu gelangen. Das Fett ist weg, der Verschleiß in der Kette nimmt rapide zu. Der Bolzen und die Hülsen, reiben aneinander und bekommen Spiel. Das Kettenglied wird sehr heiß, der Dichtring wird spröde und Wasser gelangt in die Kette. Der Abrieb zwischen Bolzen und Hülse rostet erst unsichtbar vor sich hin, bis erneut Wasser den Rost mit nach außen spült. An den Dichtringen und Laschen lagert sich der Rost ab, an den betroffenen Stellen hat der Bolzen zur Hülse Spiel.
Die Kette hat sich gelängt, die Gelenke der Kette sind also ausgeschlagen. Eine Kette wird nicht durch das Auseinanderziehen des Stahls gelängt. Das Kettenglied bekommt zwischen Bolzen und Hülse Spiel, das ist Kettenlängung.
Oft ist das nur an einzelnen Stellen der Fall, dann spricht man von ungleicher Kettenlängung.

Schmiert man die Fläche zwischen der Rolle und Hülse, wird die Reibung minimiert und der beschriebene Effekt stark abgeschwächt. Wobei Öl besser schmiert als Fett oder Teflon.
Der Schmierstoff muss unter die Rolle gelangen, um die Reibung zu minimieren. Das heißt, der Schmierstoff sollte zwischen Innenlasche und Rolle aufgetragen werden und nicht auf die Dichtringe.

Ich sehe öfters, dass der Schmierstoff auf die Dichtringe gesprüht wird, das ist sinnlos. Der Dichtring an sich benötigt eigentlich keinen Schmierstoff.

Vorteile und Nachteile der Schmierstoffe:

Fett hat den Vorteil, dass es nach Ablüften des Flussmittels relativ gut haftet. Der Nachteil ist: es bindet Schmutz. Der Schmutz bildet dann eine Schmirgelpaste, welche die Kette aufreibt. Das führt zu  Reibung - Wärme - Längung.

Teflon hat den Vorteil, keinen Schmutz zu binden, ist aber ohne Korrosionsschutz und nicht wasserfest. Außerdem muss man relativ oft nachsprühen und man sieht nicht ob noch Schmierstoff auf der Kette ist oder nicht.

Grafit ist zum Schmieren der Motorradkette eigentlich untauglich. Es bildet zwar einen Schmierfilm, bleibt aber auf der Oberfläche der Kette und des Materials. Es hat keine Kapilarwirkung und dringt nicht zwischen die Rollen und die Hülsen, wo die Schmierung hauptsächlich benötigt wird.

Öl hat den Vorteil, fast keinen Schmutz zu binden, am besten zu schmieren und sich einfach entfernen zu lassen. Nachteil: es muss öfters aufgetragen werden.

Hier greifen dann die Vorteile eines guten Kettenölers.

So, das heißt das Öl muss unter die Rolle. Ein Kettenöler soll also nicht die Rollenoberfläche schmieren, er soll das Öl unter die Rolle bringen. Wie geht das?

Der Öltropfen, der aus der Düse kommt soll als Ölfaden an der Kettenradflankeabestriffen werden und von dort durch die Fliehkraft nach außen gedrückt werden. Der Ölfaden wird so genau in den Spalt zwischen Innenlasche und Rolle gedrückt. Durch die Kapilarwirkung und die Drehbewegung der Hülse zur Rolle zieht sich das Öl zwischen Rollenunterseite und Hülse durch. Daher ist auch eine Düse technisch gesehen ausreichend.

So ist die Kette also abgeschmiert. Dieses Prinzip funktioniert am Kettenrad bis etwas über 300 km/h.

Am Ritzel ist die Fliehkraft durch den kleineren Durchmesser aber etwa 3,5 mal höher und das heißt, dass die Schmierung dort, sind wir großzügig, bis etwa 100 km/h funktioniert.

Unsere CLS Öler haben, das ist der Witz bei ihnen, einen viel kleineren Ölverbrauch von etwa 3-5 ml/1000 km. Daher haben wir da keinen Spielraum für Ölverlust durch falsche Düsenmontage. man kann bis zu einem gewissen Grad, das durch die hohe Fliehkraft, zusätzlich abgeschleuderte Öl durch mehr Öl natürlich ausgleichen. Nur hat man dadurch natürlich mehr Abwurf.

Ich persönlich wollte immer einen Öler, der möglichst wenig Abwurf erzeugt. Darauf hin ist bei CLS das ganze System entwickelt und das macht es auch etwas preisintensiver. Mein alter Scottoiler hat etwa 7-10 mal mehr Öl verbraucht als es mein CLS EVO tut.

Diese kleine Eigenwerbung möge man mir verzeihen.

Fazit, klat funktioniert in gewissen Grenzen die Düsenposition am Ritzel, aber halt nicht immer. Daher empfehlen alle Ölerhersteller die Montage der Düse am Kettenrad.


Hobbit

Hier noch zur Verdeutlichung der Aufbau einer Rollenkette im Bild.


RichiH

Nachdem per PM wohl keine Bilder gehen: wenn der Browser auf Englisch gestellt ist kommt bei dir mehrfach Lorem Ipsum

Hobbit

Oh danke, ich gebs mal weiter die Seite betreut jemand für mich.

ck1

Ich halte zwar von den Ölkannchen nix, aber wenn ich Öl auf die Kette Tropfen würde, dann innen und kurz vor dem Kettenrad. Am Ritzel hat man die höchsten Beschleunigungen in radialer Richtung, somit fliegt dort das meiste Öl in radialer Richtung wieder weg.

harbo

Moin...
Bei meiner ST habe ich einfach ein Loch zur Führung des Endröhrchen schräg durch den Schwingenschutz gebohrt, so das das "Kettensägenöl" genau auf die Innenseite der Kette tropft, während sie auf dem Weg zum Kettenrad ist.
Hat sich bisher gut bewährt. (bei mir)

/beer/  /beer/
Männer wollen nicht die große Freiheit, sie wollen viele kleine

Hobbit

#22
Jungs, habt ihr mal versucht auf ein laufendes Laufband zu steigen? Genau das passiert, wenn man einen trägen Öltropfen auf eine sehr schnell laufende Kette tropft. Da haben wir den Fahrtwind noch gar nicht mit im Spiel. Das Öl wird vom Kettenrad im Prinzip auf die gleiche Geschwindigkeit wie die Kette beschleunigt. Der sich bildende Ölfaden wird durch die Fliehkraft nach außen gedrückt. Genau in den Spalt zwischen Innenlasche und Rolle. Genau da muß es rein. Das Öl zieht sich unter die Rolle und schmiert die Fläche zwischen Rolle und Hülse ab. Mehr muss man technisch gesehen an einer Rollenkette mit Dichtringen nicht schmieren.

Man kann, wenn man sagen wir mal recht großzügig mit dem Öl ist natürlich immer auch andere Wege gehen, nur hat man da halt zum Teil graviernd hohe Verlustraten.

Ich stehe auf technische Präzission. Daher entwickeln wir alles auf Funktion, nie nach Buget. Das heißt ich möchte eine bestimmte Funktion. Warum soll man einen Öler so bauen oder so einbauen, dass er ein vielfaches an Öl abwirft und mir das Motorrad versaut?

Der Grund, weshalb einige keine Öler mögen ist die Tatsache, dass viele Öler das Motorrad voll sauen und die Anbauten zum Teil optisch unschön umgesetzt sind. Das muss beides aber gar nicht sein. Es kommt wie immer im Leben darauf an, was man bereit ist zu investieren.

Dabei zahlt es sich, nach meiner Erfahrung, auf Dauer fast immer aus, egal was es ist, etwas mehr auszugeben, weil man zum einen mehr Freude an einer besseren Funktion und Lebensdauer hat und zum anderen nicht noch mal kauft weil einen der billige Kram irgendwann doch nervt.

Ich habe von der XTZ 750 keine Bilder, weil ich den Öler ja erst einbaue, wenn alles wieder zusammen gebaut ist, aber ich packe mal welche von einer Africa Twin rein.
















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